In BIM-Modellen entstehen große Mengen einzelner Objekte: Wände, Türen, Räume, Anlagen, Durchbrüche, Bauteilschichten oder technische Komponenten. Für die grafische Darstellung genügt es meist, dass diese Objekte im Modell sichtbar und korrekt parametrisiert sind. Für den Datenaustausch, die Modellprüfung und die Nachverfolgung von Änderungen ist jedoch zusätzlich relevant, ob ein Objekt eindeutig wiedererkannt werden kann.
Genau hier kommt die GUID ins Spiel. Die Abkürzung steht für „Globally Unique Identifier“ und bezeichnet eine möglichst weltweit eindeutige Zeichenfolge. Sie dient nicht der Beschreibung eines Bauteils, sondern seiner Identifikation im Sinne einer Seriennummer.
Eine GUID ist nicht mit einem Bauteilnamen, einer Typbezeichnung oder einer Klassifikation gleichzusetzen. Während Begriffe wie „T30-Tür“, „AW01“ oder „IfcWall“ beschreiben, um welche Art von Objekt es sich handelt, beschreibt die GUID lediglich: Es handelt sich um genau dieses eine Objekt.
Das ist vor allem bei Modellvergleichen wichtig. Wenn in zwei Modellständen eine Wand dieselbe GUID besitzt, kann eine Prüfsoftware sie als dasselbe Bauteil wiedererkennen und Änderungen an Geometrie, Lage oder Attributen auswerten. Wird die Wand dagegen gelöscht und neu modelliert, erhält sie in der Regel eine neue Identität. Auch wenn sie optisch gleich aussieht, handelt es sich datentechnisch um ein anderes Objekt.
In Revit wird die GUID vor allem dann wichtig, wenn Bauteile über mehrere Modellstände hinweg wiedererkannt werden sollen. Das betrifft zum Beispiel Modellvergleiche, Kollisionsprüfungen, BCF-Issues oder IFC-Exporte.

Jedes Element in Revit besitzt eine interne Kennung. Diese ist nicht direkt in den normalen Eigenschaften sichtbar, kann aber über:
Verwalten > Abfrage > IDs der Auswahl
ausgelesen werden.
Ist eine ID bekannt, kann das zugehörige Element über:
Verwalten > Abfrage > Nach ID auswählen
im Modell gesucht werden.
In der Praxis ist wichtig: Wird ein Bauteil in Revit nur geändert, bleibt seine Identität in der Regel erhalten. Wird es dagegen gelöscht und neu erstellt, erhält es eine neue Kennung. Für eine Prüfsoftware sieht das neue Bauteil dann nicht wie eine Änderung aus, sondern wie ein gelöschtes und ein neu erzeugtes Element.
Das kann zu unübersichtlichen Änderungslisten, verlorenen BCF-Bezügen oder fehlerhaften Modellvergleichen führen. Besonders bei Türen, Räumen, tragenden Bauteilen, TGA-Komponenten und bereits geprüften Elementen sollte deshalb möglichst geändert statt gelöscht werden.
Praxis-Tipps
Bauteile nach Möglichkeit verschieben, anpassen oder einem anderen Typ zuweisen, nicht löschen und neu erstellen.
niemals GUIDs doppelte verwenden.
Bei Modellvergleichen prüfen, ob Änderungen korrekt erkannt werden oder als „gelöscht/neu“ erscheinen.
Bei IFC-Übergaben prüfen, ob relevante Bauteile über mehrere Exporte wiedererkannt werden.
Im IFC-Format wird die eindeutige Objektkennung über die Eigenschaft GlobalId geführt. Die IFC-GUID ist dabei eine komprimierte Zeichenfolge, die speziell für das IFC-Format verwendet wird.

Für den Open-BIM-Datenaustausch ist diese Kennung zentral. Sie ermöglicht es, Objekte aus einem IFC-Modell in Prüfprogrammen, Kollisionsprüfungen, BCF-Issues oder späteren Modellständen wiederzufinden.
In Revit wird dieser Parameter beim ersten IFC-Export vergeben und kann ggf. nachträglich händisch geändert werden:

