Geländer sind (im Gegensatz zu Brüstungen) nicht-massive Absturzsicherungen. Meistens werden sie bei Treppen, Rampen oder Galerien eingesetzt. Je nach im Einsatz befindlicher Software und Anwendungsziel lassen sich Geländer mit sehr unterschiedlichen Grundtypen von Objekten erzeugen. Dies führt zu einigen Herausforderungen in der verlässlichen Auswertung und sollte daher in einem Projekt grundsätzlich festgelegt werden - um z.B. in der Ausschreibung eine verlässliche Ermittlung aller vorhandenen Geländer sicherzustellen.

Suchbegriffe: Balustrade, Brüstung, Gländer, Handlauf, Verblendung, Absturzsicherung

Konzeptionelle Vorplanung

In dieser Phase werden noch keine Geländer modelliert.

Vorplanung

In dieser Phase werden Geländer in der Regel noch nicht modelliert. Um beispielsweise erforderliche Fluchtwegsbreiten bei Treppen überprüfen zu können, werden sie aber gelegentlich schon in dieser Phase modelliert, jedoch anschließend meistens wieder gelöscht.

Entwurf

In der Entwurfsphase wird das Bauteil erstellt und mit entsprechendem Material belegt. Um Modellier- und Änderungsaufwände zu sparen, werden Geländer in dieser Phase noch sehr abstrahiert dargestellt, z.B. nur als Handlauf.

Darstellung

       

Plandarstellung                             Modelldarstellung

Merkmale

In dieser Phase sind folgende Merkmale zu definieren:

  • Materialzuordnung, Lage, Oberfläche, Geometrie

Beschriftung

Geländer werden in der Regel nicht gesondert beschriftet.

Anleitung

Geländer zählen in Revit zur gleichnamigen Kategorie und stellen insofern eine besondere Art von Bauteil dar, als dass sie in vielen Fällen bereits beim Modellieren von Treppen automatisch mit-erstellt werden. Der explizite Revit-Befehl >Geländer im Menü >Architektur kommt aus diesem Grund weniger oft zur Anwendung.

Geländer-Modellierung:

Grundsätzlich gibt es demnach 2 Arten, Geländer zu modellieren:

1) Automatische Erzeugung bei der Erstellung von Treppen:

Mit dem Befehl >Treppe, Einstellung >Geländer und Auswahl des Geländertyps (siehe folgende Bilder) wird mit der Treppe automatisch ein Geländer erstellt, dessen Pfad (= Längsabwicklung des Geländers repräsentiert durch Skizzenlinien) den Aussenkanten der Treppe folgt.

Geländer an Außenkanten d. Treppe

2) Explizite Modellierung mit Befehl >Geländer:

Mit diesem Befehl wird ein einzelnes Geländer ausgeführt:

Die weiteren Unter-Befehle im Drop-Down-Menü bedeuten:

2.1) >Pfad skizzieren:

= 'Freies' Modellieren eines Geländers (= unabhängig eines anderen Bauteils) mittels Zeichnen von Pfadlinien (bspw. für Balkon-Geländer oder Brüstungen aller Art). Die Erzeugung dieses Pfads erfolgt immer Grundriss-basiert, wobei die Pfad-Linien (die ja auch schräg sein können) zur einfacheren Bearbeitung auf die Grundriss-Ebene projeziert werden. ACHTUNG: Revit akzeptiert pro Geländer nur eine geschlossene Linienkette, also keine Unterbrechungen zwischen den Linien!

    

2.2) >Auf Treppe/Rampe platzieren:

= Modellieren eines Geländers durch zeigen eines Basisbauteils (bspw. eine Treppe oder eine Rampe). Dabei wird ein Geländer gleich wie bei der automatischen Erzeugung an die Außenkanten des Basisbauteils gelegt:

     

Bestandteile eines Geländers:

Geländer gehören zur Palette der Systemfamilien und werden deshalb nach Typen unterschieden, die sich ihrerseits aus einer Kombination von Bauteilen, in einigen Fällen auch externen (='ladbaren') Familien zusammensetzen.

Ein Revit-Geländer besteht im Wesentlichen aus folgenden Bestandteilen, die ausnahmslos alle über den Typ gesteuert werden:

1) Geländerkonstruktion:

= alle Bestandteile, die dem Pfad (= Längs-Verlauf) des Geländers folgen (im Bild blau dargestellt):

2) Geländerpfosten:

= alle vertikalen Bestandteile des Geländers (im Bild blau dargestellt); umfasst auch alle Füllstäbe zwischen Geländerpfosten (im Bild nicht dargestellt):

3) Handlauf bzw. oberer Geländerholm:

Im aktuellen BOA-Umfeld wird das Revit-Element >Oberer Geländerholm (= oberer Abschluss eines Geländers; siehe Bild) als Handlauf verwendet. Das entspricht zwar hinsichtlich Element-Verwendung nicht den Revit-spezifischen Vorgaben, die Funktionsweise von Handläufen und oberen Geländerholmen ist jedoch grundsätzlich die selbe.

4) Füllungen:

Füllungen -  wie beispielsweise mittlerweile im Bauwesen häufig ausgeführte Glasfüllungen - werden im BOA-Umfeld vielfach gesondert modelliert, weil die Revit-Funktionalität dahingehend sehr eingeschränkt ist. Da es sich dabei ja im weitesten Sinn des Wortes um Brüstungen handelt, werden dafür Fassaden-Wände verwendet, die über eine Profil-Anpassung in die gewünschte Form gebracht werden können. Siehe dazu auch die Anleitung unter Glasfüllungen.

Geländer - Einstellungen:

Die Zusammenstellung der oben erwähnten Komponenten in Revit ist aufgrund der sehr umfangreichen Geländer-Funktionen relativ komplex und stellt eine gewisse Herausforderung dar. Im folgenden Abschnitt finden sie eine detaillierte Beschreibung aller wesentlichen Geländer-Einstellungen am Beispiel eines einfachen Geländertyps.

TIPP: Zur schnellen Erklärung von Begriffen in Revit wird empfohlen, den Mauszeiger über einen Parameter zu bewegen und die nach einer kurzen Verzögerung angezeigte Erklärung durchzulesen (= Tooltipp; häufig auch mit Bild).

1) Exemplarparameter-Einstellungen:

Folgende Einstellung steht im Eigenschaftenfenster zur Verfügung:

  • >Versatz von Pfad: Steuert den Versatz des gesamten Geländers zur Pfad-Linie (im Bild Magenta dargestellt); Die Seite des Versatzes kann über die 'Flip'-Funktion (blauer Doppelpfeil; siehe Bild) in der Mitte des Geländers gewählt werden (ACHTUNG: oft in nahen Zoom-Ausschnitten nicht sichtbar)

   

2) Typenparameter-Einstellungen:

Bei Auswahl eines Geländers und Anwendung des Befehls >Typ bearbeiten stehen die Typeneigenschaften eines Geländers zur Verfügung:

2.1) Geländerkonstruktion (nicht durchgehend):

Der Befehl >Bearbeiten (siehe Bild) neben >Geländerkonstruktion ruft ein weiteres Bearbeitungsfenster auf:

   

Die Zeilen 1 u.2 in dieser Liste entsprechen den dem Geländer-Pfad folgenden Komponenten, die im Bauwesen häufig auch als Durchzüge bezeichnet werden. Die einzelnen Spalten in dieser Tabelle bedeuten:

  • Name: ein frei wählbarer Name für den Durchzug; weitere Durchzüge können mit >Einfügen erstellt werden
  • Höhe: Höhe des Durchzugs bezogen auf die Oberkante des Basisbauteils (meistens OK-Treppe)
  • Versatz: seitlicher Abstand zur Pfadlinie
  • Profil: Das für den Durchzug verwendete Querschnitts-Profil repräsentiert durch eine Profil-Familie und eines darin angelegten Typs; Beispiel: Prof_Gelaender_rechteckig (= Familie) : 0008x0040 (= Typ); Ein neues Profil kann über Erstellen einer neuen Profil-Familie unter Verwendung des Familien-Templates >M_Profil.rft erzeugt werden.
  • Material: selbsterklärend

2.2) Platzierung der Geländerpfosten:

Der Befehl >Bearbeiten (siehe Bild) neben >Platzierung der Geländerpfosten ruft ein weiteres Bearbeitungsfenster auf:

2.3) Geländerholmversatz:

Steuert den Versatz der Geländerholme; betroffen sind lediglich Geländerholme und Pfosten; die Geländerkonstruktion (Durchzüge) sind davon nicht betroffen

  

2.4) Podesthöhenanpassung:

betrifft nur die Höhe des Geländers beim Podest

2.5) Winkeliges Anschlussstück:

Winkel des Geländers im der Grundriss

2.6) Tangentiales Anschlussstück:

Winkel des Geländers in der Ansicht

2.7) Geländerverbindung:

Verschmelzen = mit Gehrung verbinden

2.8) Oberer Geländerholm:

 

2.9) Handlauf 1, .. 2:

 

Sonderfall Stahltreppe

Für Geländer von Stahltreppen ist ein separater Workflow erforderlich. Dieser wird im Artikel Treppe: Stahltreppe behandelt, da über die Geländer-Familien die Stahlwangen mitkonstruiert werden und diese somit Teil der Treppenkonstruktion werden.

 

Geländer entlang einer Geschossdecke:

  • Pfad für das Geländer wählen

   img_01  img_03  img_05

  • Pfad mit Pin an die Kante sperren

    21.02.2017 img_07

  • Den gewünschten Geländertyp auswählen oder über die Typenbearbeitung den Typ bearbeiten bzw. einen neuen Typ erstellen.

Geländer entlang einer Treppe:

  • Treppen werden inkl. Geländer modelliert
  • Der Geländer-Typ kann im Nachhinein im Eigenschaftsfenster gewechselt werden
  • Neue Profile als Familie erstellen (Profilfamilien)
  • Bei Änderungen des Pfades sollte der Pfad wieder an die Kante gesperrt werden (Schloss)

img_11img_13

Bei Neuerstellung den Befehl Geländer -> Auf Basisbauteil platzieren wählen (Dies gilt auch für Rampen):

img_15

Übersicht

Die grundsätzliche Modellierung des Geländers in ARCHICAD unterscheidet sich nicht in den verschiedenen Planungsphasen.

Für die grundsätzliche Verwendung des Bibliothekselementes Geländer verweisen wir auf die Basisdokumentation von Graphisoft im Help-Center.

Als Grundlage dieser Dokumentation wurde die offizielle Vorlagendatei 01 ARCHICAD 20 Vorlage.tpl der ARCHICAD 20 AUT Version verwendet– die Bibliothekselemente können von Land zu Land variieren.

 

Für Geländer stehen diverse Objekte in der Bibliothek zur Verfügung, und für Treppen kann ein Geländer/Handlauf innerhalb der Treppen-Einstellung konfiguriert werden. Es kann auch das Wand-Werkzeug verwendet werden mit der Einstellung Komplexes Profil.

 

Bauelemente die als Geländer klassifiziert sind, sind der Bauelementklasse I zuzuordnen.

Ein Geländer kann Teil der Einstellungen der Treppe sein, ein eigenständiges Bibliothekselement, oder über das Werkzeug-Tool Wand als Profil erstellt werden.

Die Wahl der Ebene entscheidet sich nach der Verwendungsart des Geländers: Als Teil einer Treppe liegt dieses auf 40 Stiege Rampe, als horizontales Geländer (z.B. Treppenhaus) auf der Ebene 40 Absturzsicherung.

Bibliothekselemente Geländer:

Vorschau und Positionierung

Die Verwendung der Geländerarten horizontal empfiehlt sich, da diese über die Funktion ‚Höhenunterschied’ verfügen – mit dieser kann ein Geländer einer Höhenneigung folgend eingestellt werden. Wie bei jedem Bibliothekselement sind auch bei einem Geländer die Position zum Ursprungsgeschoss sowie die grundsätzlichen Abmessungen vorzugeben.

Info: Das Geländer wird zum Ursprungsgeschoss + Höhe des Fußbodenaufbaus platziert.

Individuelle Einstellungen

Alle Angaben zur Ausformulierung (Konstruktion) des Geländers sind hier zu treffen, auch der Höhenunterschied kann hier angegeben werden:

Kategorien und Eigenschaften

Die Element-Klassifizierung ist die erste Definition im Bereich Kategorien und Eigenschaften – s.a. Klassifizierung. Durch die Wahl der Klassifizierung auf Geländer werden auch nur die Merkmale im unteren Feldbereich angezeigt, die für diese Klassifizierung laut ifc Sachmerkmale zur Verfügung stehen.

Die 3 Merkmale die auch eine weitere Funktion innerhalb von ARCHICAD erfüllen sind Tragende Funktion, Lage und Umbau Status – diese haben eine Auswirkung auf entweder die Strukturdarstellungs-Methode, die Hüllenfunktion (in weiteren Programmen), oder den Umbaufilter. Alle weiteren Merkmale sind individuell zu wählen, bzw. in Abstimmung mit den Organisationsvorgaben des Projektes zu treffen (bspw. Projekthandbuch oder Organisationshandbuch).

Wand-Werkzeug Geländer mit Profil erstellen:

Für die Verwendung des Profil-Managers zur Erstellung eines Geländers gelten die Angaben für die Einstellungsdialoge des Wand-Werkzeuges, da ein Geländer-Profil mittels diesem modelliert wird.

Die Ausformulierung eines Geländer-Profils ist projektabhängig/individuell, es gelten jedoch auch hier die bisher beschriebenen Modellierungskonventionen.

Beispiel Glasgeländer:

Darstellung in 3D:

 

Sollte Hilfe bei der Erstellung eines komplexen Profils benötigt werden, verweisen wir auf die Basisdokumentation von Graphisoft im Help-Center.

Bearbeitungsbereich:

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Einreichung

Abgesehen von eventuellen Anpassungen, sind in dieser Phase keine zusätzlichen Schritte zum Thema Geländer vorgesehen.

Bauordnungsrechtliche Belange sind zu berücksichtigen, die Plandarstellung den behördlichen Vorgaben entsprechend anzupassen.

Darstellung

      

Plandarstellung                                                Modelldarstellung

Ausführung

In dieser Phase wird das Bauteil eventuell um ausschreibungsrelevante Merkmale ergänzt.

Darstellung

        

Plandarstellung                                                Modelldarstellung

Merkmale

In wieweit die bestehenden Merkmale für die Ausschreibung ausreichen oder ergänzt werden müssen, ist mit der Projektleitung zu klären.

Beschriftung

Geländer werden in der Regel nicht gesondert beschriftet.

Anleitung

Die grafische Anforderung an ein Geländer in der Ausführungsphase, ist oftmals mit den Möglichkeiten die Revit mit den Geländer-Funktionen bietet, nicht zu erfüllen.

Insbesondere dann nicht, wenn eine spezielle „Feldaufteilung“ zwischen den Geländerpfosten gewünscht ist. Dies kann jedoch mittels des unten beschriebenen Workarounds erreicht werden. Das Geländer wird hierbei als Fassade modelliert.

Erstellen:

Geländerpfosten als neue Familie erstellen (Kategorie: allgemeines Modell) und anschließend einen neuen Geländer-Typ erstellen:

img_22

In der Typenbearbeitung des Geländers werden nun unter Platzierung der Geländerpfosten -> Bearbeiten  Geländerholmfamilien im DropDown ausgewählt:

21.02.2017

Die Teilung der Pfosten erfolgt über die Trennung des Pfades:

img_26    img_28 img_30

Hinweis:

In manchen Fällen hilft es auch, das Geländer in einzelne Geländersegmente aufzuteilen.

Fassaden als Füllelemente:

img_38    img_40img_42

Anwendungsbeispiel:

img_44             img_46

Die grundsätzliche Modellierung eines Geländers in ARCHICAD unterscheidet sich nicht in den verschiedenen Planungsphasen. Für Geländer stehen diverse Objekte in der Bibliothek zur Verfügung, und für Treppen kann ein Geländer/Handlauf innerhalb der Treppen-Einstellung konfiguriert werden. Es kann auch das Wand-Werkzeug verwendet werden mit der Einstellung Komplexes Profil.

Die für diese Phase neu hinzukommenden Merkmale und Parameter sind an den entsprechenden Stellen im Einstellungs-Dialog des Bauelementes zu ergänzen.

Die Beschreibung des Einstellungs-Dialoges und die entsprechende Vorgehensweise finden sich in einer früheren Phasenbeschreibung in diesem Artikel.

 

Die Beschriftung und Kotierung des Bauelementes sollte immer assoziativ erfolgen. Die Beschreibung zur Vorgehensweise in ARCHICAD findet sich in den entsprechenden Artikeln.

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