Die Bauindustrie des deutschsprachigen Raums (und vor allem der Planungssektor) ist eine sehr kleinteilige Branche - die meisten Planungsunternehmen (z.B. 90% aller Architekturbüros) zählen keine zehn Mitarbeiter. Viele hoch spezialisierte Disziplinen arbeiten in Kleinst-Teams in wechselseitiger Abstimmung an den Herausforderungen der Bauaufgabe.

Ebenso prototypisch wie die Bauprojekte selbst sind dabei auch die Konstellationen von Planungs-Teams, die in fast jedem Projekt neu zusammengewürfelt werden. Die Planenden und Ausführenden arbeiten somit in immer neuen, projektbedingten Konstellationen zusammen.

Heterogenität der Werkzeuge

Die große Schwierigkeit hierbei ist die Heterogenität der Softwarelandschaft: Über die Jahrzehnte hat sich eine schier unüberschaubare Vielzahl an Programmen etabliert, die in den jeweiligen Disziplinen zum Einsatz kommen. Auch im BIM Zeitalter konkurrieren diese Werkzeuge um die Vorherrschaft am Markt – allein im Bereich des Hochbaus gibt es acht bis neun marktbestimmende Werkzeuge. Lediglich zwei Software-Familien bieten dabei derzeit ein durchgehendes Datenformat für alle modellierenden Disziplinen an: Autodesk Revit und Nemetschek Allplan.

Heterogenitaet_Software

 

Die Wahrscheinlichkeit, in den durch die Bauherrenschaft zusammengewürfelten Planungsteams eine einheitlich bei allen verwendete Software vorzufinden, ist somit verschwindend gering. Hinzu kommt, dass jedes Büro in der Regel eigene Standards innerhalb der Programme (Templates) nutzt, um die eigenen Prozesse zu optimieren. Selbst wenn also in zwei oder mehr Büros die gleiche Software genutzt wird, bedeutet dies noch lange nicht, dass hiermit auch durchgehende Workflows erreicht werden können.

Closed BIM

Dieser Begriff beschreibt das Szenario, in dem alle Planenden und ggf. auch die ausführenden Firmen in derselben Software arbeiten. Etwaige Schnittstellen zu Spezial-Programmen zur Berechnung und Simulation (z.B. aus Statik oder Bauphysik) werden in der Regel über spezielle Plug-Ins an die Hauptsoftware angebunden. In der Mitte steht also eine zentrale Zeichensoftware, alle Disziplinen arbeiten im gleichen Datenformat. Das bedeutet, aber nicht zwangsläufig, dass wirklich physisch in einem Modell gearbeitet wird - sehr häufig gibt es viele Teilmodelle für die unterschiedlichen Disziplinen und Gewerke, aber eben nur ein Datenmodell, an das bei Closed BIM angebunden wird.

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Wie eingangs erwähnt, bedeutet das Arbeiten in der gleichen Software jedoch noch lange keine projektspezifisch abgestimmten Standards. Die Templates unterschiedlicher Firmen projektbedingt abzustimmen kann eine große Herausforderung darstellen und bedeutet in der Regel Kompromisse auf allen Seiten. Hinzu kommt, dass die Konfiguration der Schnittstellen zu den Spezialwerkzeugen aus Berechnung, Simulation und Auswertung auch bei der Closed BIM Arbeitsweise hohe Kenntnisse erfordern und eine allgegenwärtige Herausforderung darstellen.

Closed BIM zeigt seine Mehrwerte daher vor allem im Generalplanungs-Szenario: Arbeiten alle Disziplinen innerhalb einer Firma und auf den gleichen, abgestimmten Voreinstellungen und Schnittstellenkonfigurationen, greift der Mehrwert einer einheitlichen Datenstruktur und kann das Arbeiten gegenüber einer offenen Softwarekonstellation deutlich erleichtern.

Open BIM

Open BIM steht nun für den im deutschsprachigen Raum sehr viel üblicheren Fall einer offenen Software-Konstellation im Projekt: Jedes Planungsteam hat eine eigene Software, eigene Voreinstellungen und Arbeitsweisen. Hier entsteht naturgemäß die Frage nach einem Austauschformat, mit dem diese offene Konstellation BIM-Daten austauschen kann. Vereinfachend kann man sagen, dass es hierzu ein offenes Datenformat gibt, mit dem Informationen übergeben werden, das sogenannte IFC-Format.

Die Idee ist einfach: Das einheitliche Transferdatenformat bildet das Zentrum, die Schnittstelle des Datentransfers:

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Es ist leicht vorzustellen, dass eine "Universal-Schnittstelle" wie das IFC-Format Grenzen aufweist und deswegen auch in vielen Hinsichten einem einheitlichen Datenformat für alle Disziplinen (wie z.B. innerhalb von Revit oder Allplan) unterlegen ist. Hier tauchen neben den technischen Herausforderungen auch eine Menge Prozess-bezogene Fragestellungen auf.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass Open BIM bei allen derzeit noch offenen Fragen die Realität des deutschsprachigen Marktes abbildet.

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